Prof. Dr. Ulrich Saxer verstorben

Prof. Dr. Ulrich Saxer (6.1.1931–8.6.2012) war von 1974 bis 1996 Leiter des Seminars für Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich. Durch Saxer und seine Assistierenden erfolgte der Ausbau des Seminars zu einem moder­nen, sozial­wissenschaftlich ausge­richteten Forschungsinstitut, das mittler­weile im gesamten deutschen Sprach­raum bekannt ist. Dieser kontinuierliche Aufbau der Institution er­laubte es auch, die Publizistikwissenschaft zum Hauptfach aufzuwerten.

Ulrich Saxers Engagement und Expertise waren im gesamten deutschsprachigen Raum gefragt: Er war Gründungspräsident der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM); Mitglied der eidgenössischen Expertenkommission für eine Me­dien-Gesamt­konzeption; Mitglied der Kommis­sion zur Vorbereitung eines schweizeri­schen Radio- und Fernseh­gesetzes; Leiter der nationa­len Begleitforschung zu den lokalen Rund­funkversuchen in der Schweiz; Leiter des Beirats «Medienerziehung und Medien­forschung» der Bertelsmann Stiftung; Vorstand der Bertelsmann Stiftung; Govenor des Europäischen Me­dieninstituts in Düsseldorf; Mitheraus­geber der Reihe «Diskussions­punkt» am Seminar für Publizistik­wissen­schaft, der Reihe «Forschungsfeld Kom­munikation» des Universitäts­verlags Kon­stanz, der Fachzeitschriften «Publizistik» und «European Journal of Com­munication» sowie zahlreicher Sammelbände.

Er war gefragter Keynote Speaker bei Kongressen und Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) wie auch der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM), was ihm den Titel «Mr. Publizistik» (Manfred Rühl) einbrachte. Nach dem offiziellen Ausscheiden aus den Diensten der Universität Zürich war er 1996 bis 2001 Ordinarius für Kommunikationssoziologie an der Università della Svizzera Italiana in Lugano. Zudem war er seit 1997 Honorarprofessor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien.

Ulrich Saxer blieb dem IPMZ - Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung zeitlebens verbunden und trug mit Vorträgen und Publikationen tatkräftig zum Fachdiskurs bei. Die von ihm gegründete Saxer-Stiftung fördert aktiv und nachhaltig den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Über Ulrich Saxers Leben und Werk wurde bereits viel geschrieben und kann nachgelesen werden u.a. in den Artikeln von Otfried Jarren zum 75sten und 80sten Geburtstag Saxers in den Fachzeitschriften Publizistik (2005), Jg. 50, H. 4, S. 477-479; Medienwissenschaft Schweiz (2005) http://www.sgkm.ch/zeitschrift/2005/2(2005)16Personalien.pdf oder in Studies in Communication Sciences (2011), H. 1, S. 301-306. Oder im Interview von Ulrich Saxer über seinen wissenschaftlichen Werdegang (Michael Meyen/Maria Löblich (2007): «Ich habe dieses Fach erfunden» Wie die Kommunikationswissenschaft an die deutschsprachigen Universitäten kam. 19 biografische Interviews, Herbert von Halem Verlag, 59-75; http://www.halem-verlag.de/2011/ich-habe-dieses-fach-erfunden/).

Zu seinem 80sten Geburtstag veranstaltete das IPMZ 2011 ein Symposium zu dem Schwerpunkt in Ulrich Saxers Werk, dem Thema «Der Institutionenbegriff in der Publizistik- und Kommunikations­wissenschaft»

Symposium. (PDF, 3083 KB)

Die Beiträge des Symposiums werden demnächst publiziert.

Vor kurzem vollendete Ulrich Saxer seine 820 Seiten umfassende Abhandlung zur «Mediengesellschaft », die gerade eben publiziert wird (http://www.springer-vs.de/Buch/978-3-531-13371-3/Mediengesellschaft.html).

Ulrich Saxer starb am 8.6.2012. Wir verlieren mit ihm einen der Grossen unseres Fachs, einen tiefgründigen Analytiker des Mediengeschehens, einen geschätzten Kollegen und einen guten Freund.

Professoren und Mitarbeitende
des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich