Neue Publikation: Lokal kompetenter?

In der Forschung wird häufg davon ausgegangen, dass Kommunikationsprozesse auf lokaler Ebene anders ablaufen als bei bundespolitischen Entscheidungen und dass Rezipienten bei lokalen Entscheidungen kompetenter seien. Gleichzeitig wird den lokalen Medien eine geringe Vielfalt und schlechte Informationsqualität vorgeworfen. Dieser Beitrag fragt, inwieweit Rezipienten bei der Rezeption von Informationen zu lokalen Entscheidungen andere Strategien wie persönliche Gespräche und verschiedene Informationsverarbeitungsprozesse nutzen, um sich eine kompetente Meinung zu bilden. Er untersucht, ob sich Kommunikations- und Informationsverarbeitungsprozesse bei lokalpolitischen Entscheidungen von vergleichbaren bundespolitischen Entscheidungen unterscheiden und welche Einflüsse dies auf die Kompetenz der Rezipienten hat. Auf Grundlage einer standardisierten Befragung deutscher Bürger wird gezeigt, dass Rezipienten bei lokalen Entscheidungen nicht kompetenter sind als bei nationalen Entscheidungen, aber sich die Rezeptionsprozesse zwischen den beiden föderalen Kontexten unterscheiden. Während auf lokaler Ebene Zeitungsnutzung und interpersonale Kommunikation zur Information der Bürger zentral sind, sind bei bundespolitischen Entscheidungen systematische Informationsverarbeitung und die heuristische Orientierung an Parteien für eine Verbesserung der Kompetenz von Bedeutung.
Metag, J. (2013): Lokal kompetenter? Einflüsse von Kommunikations- und Informationsverarbeitungsprozessen auf die Kompetenz bei lokal- und bundespolitischen Entscheidungen. SCM – Studies in Communication | Media 2 (3), 335-365.