
Das Seminar für Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich wird umbenannt in „IPMZ - Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung“.
Otfried Jarren wird im Oktober 1997 Nachfolger des emeritierten Ulrich Saxer. Im Herbst desselben Jahres wird das Fach Publizistikwissenschaft zum Hauptfach mit 184 Studierenden. Bereits ein Jahr später sind 350 Studierende im Hauptfach eingeschrieben, im Wintersemester 2002/03 sind es 1053.
Das Institut baut – unter anderem bedingt durch die rasant steigenden Studierendenzahlen – immer mehr aus: Heinz Bonfadelli wird im September 2000 zum Ordinarius befördert.
Im Mai 2001 wird der Leiter des Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), Kurt Imhof, Ordinarius am IPMZ und am soziologischen Institut.
Zur Ordinaria für Publizistikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Medienökonomie wird am 1. Oktober 2001 Gabriele Siegert ernannt.
Da der der Standort an der Kurvenstrasse 17 aus allen Nähten platzt, expandiert das Institut zunächst in die Kurvenstrasse 31 und zieht dann auf Anfang des Jahres 2003 nach Oerlikon um.
Mit Werner Wirth und Frank Marcinkowski erweitern zwei weitere Professoren seit 2003 das Lehr- und Forschungsprofil des Instituts.
Professoren am IPMZ: Prof. Dr. Otfried Jarren, Prof. Dr. Heinz Bonfadelli, Prof. Dr. Kurt Imhof (oben), Prof. Dr. Gabriele Siegert, Prof. Dr. Werner Wirth, Prof. Dr. Frank Esser (mitte), Prof. Dr. Michael Latzer (unten).

Die zunehmende Kommerzialisierung der Medienunternehmen, der Trend zur Boulevardisierung von Medieninhalten und die Verschmelzung von Information und Unterhaltung zum Infotainment hinterlassen auch in der Medienwissenschaft ihre Spuren: Einerseits beschäftigt sich das Fach mit den Beziehungen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Systemen, andererseits mit Medialisierungs- und Mediatisierungseffekten. Ulrich Sarcinelli interpretiert 1994 die Beziehung zwischen dem politischen System und dem Mediensystem als „Interdependenz und Symbiose“: Information wird gegen Publizität eingetauscht und umgekehrt. Politik in den Medien wird so immer mehr zur „symbolischen Politik“. Die Kommunikationswissenschaft im ausgehenden 20. Jahrhundert versteht sich als eine theoretisch und empirisch arbeitende Sozialwissenschaft mit interdisziplinären Bezügen. Neben den quantitativen wie qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung werden auch andere Zugänge gepflegt wie historische, hermeneutisch-interpretative oder kulturwissenschaftliche.
Der Schweizer Radio- und Fernsehpionier Roger Schawinski lanciert am 5. Oktober mit Tele24 das erste Deutschschweizer Privatfernsehen. Bereits am 2. August hatte der deutsche Privatsender Sat1 mit seinem zweistündigen Programmfenster in der Schweizer TV-Landschaft ein Zeichen gesetzt. 1999 folgen der Privatsender TV3 sowie die Programmfenster von RTL/Pro7. Zuvor haben sich der Spartensender StarTV sowie eine schweizerische Verlegergemeinschaft mit PresseTV etabliert.
Die Veränderungen im Medienbereich machen auch vor der Presse nicht Halt: Einerseits werden viele Lokal- und Regionalzeitungen Opfer der Konzentration im Pressebereich, andererseits drängen Gratiszeitungen – hauptsächlich in den Städten – auf den Markt und versuchen die traditionellen Titel zu verdrängen. Der kommerzielle Druck lässt einige dieser neuen Medienprodukte rasch wieder verschwinden. Der Schweizer Fernsehmarkt schrumpft 2001 schon wieder: Im August verschwindet Tele24, im Dezember stellt auch TV3 seinen Betrieb ein.
In den 1990ern entwickelt sich das Internet zum weltweiten Informations- und Kommunikationsmittel und macht die Welt, wie Marshall McLuhan es bereits vor 30 Jahren im Bezug auf das Fernsehen prophezeit hatte, zum „globalen Dorf“. Auch in Politik und Wirtschaft hält der Trend zur Globalisierung an: Am 1. November 1993 tritt der Maastrichter Vertrag über die Europäische Union (EU) in Kraft. Die Wirtschafts- und Währungsunion der EU wird am 1. Januar 1994 eingeleitet und das „World Economic Forum“ wird zu einem wichtigen Platz für weltwirtschaftliche Entscheidungen.
Die Globalisierung von Politik und Wirtschaft wird begleitet vom Trend zur „Medialisierung“. So wird der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 zum bisher unerreichten Höhepunkt in der Vermittlung von „Medienereignissen“: Die Kameras des US-Senders CNN verfolgen ohne Unterbruch das Geschehen, nachdem Terroristen zwei entführte Linienflugzeuge in die beiden Türme lenken. Die ganze Welt kann „live“ an der Katastrophe teilnehmen, als die „Twin Towers“ nacheinander einstürzen. Dass die elektronischen Medien die westliche Gesellschaft immer mehr durchdringen, wird mit dem Aufkommen von Reality-Formaten wie „Big Brother“ oder den täglichen Talkshows auf vielen Fernsehkanälen noch deutlicher. In Europa werden politische Ereignisse wie Wahlen ebenfalls zunehmend zu „Medienereignissen“ hochstilisiert, wie das Fernsehduell zwischen dem bundesdeutschen Kanzler Gerhard Schröder und seinem Herausforderer Edmund Stoiber im Herbst 2002 zeigt.