IPMZ
Institute of Mass Communication
and Media Research, University of Zurich
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CH-8050 Zürich
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Geschichte des IPMZ

1983 - 1992: Zwischen Rundfunk-Kommerzialisierung und Mauerfall

Neuer Institutsleiter, neue Ausrichtung, neue Herausforderungen

Dr. Ulrich Saxer wird 1975 Institutsleiter. Ihm kommt das Verdienst zu, das Institut konsequent sozialwissenschaftlich ausgerichtet, internationale Kontakte aufgebaut und gepflegt, die theoretischen Grundlagen des Fachs weiter entwickelt, zahlreiche Forschungsprojekte mit medienpolitischer Bedeutung durchgeführt und nicht zuletzt das Fach als Hauptfach an der Universität etabliert zu haben.

1983 wird er zum Ordinarius ernannt. Im gleichen Jahr ändert das Institut seinen Namen in „Seminar für Publizistikwissenschaft“. Mit dieser Namensänderung soll gemäss Saxer „der Unterschied zu einer Journalistenschule bereits im Namen der Disziplin signalisiert“ werden.


Das Institut positioniert sich an der Universität „primär theoretisch“, sein Gegenstand ist die Massenkommunikation, seine methodologische Ausrichtung sozialwissenschaftlich-empirisch. Die Herausforderungen an die Fachdisziplin sind gross.

Zum einen gilt es, die theoretischen und methodischen Grundlagen des Fachs weiterzuentwickeln. Zum anderen sind (medien-)politische Entscheidungsträger, Medienpädagogen sowie Medienunternehmen sehr an den Forschungsergebnissen als Grundlage einer rationalen Entscheidungsfindung interessiert.

So wird dem Seminar die verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, die Begleitforschung zur schweizerischen Lokalradioversuchsordnung durchzuführen. Zahlreiche qualitative und quantitative Studien zu den neuen Lokalradios werden erstellt. Saxer legt den Abschlussbericht 1989 vor.

 

Neue Extraordinarii

Im Jahr 1992 wird der Leiter des Fachbereichs Medien & Kommunikation am Pestalozzianum Zürich und langjährige Lehrbeauftragte Dr. Christian Doelker Extraordinarius für Medienpädagogik. Seine Forschungs- und Lehrtätigkeit am Seminar für Publizistikwissenschaft und am Pädagogischen Institut fokussiert auf Bildtheorie und visuelle Wahrnehmung, Kulturtechniken, Medienwirklichkeit und Medienkritik.

Zwei Jahre später wird Dr. Heinz Bonfadelli Extraordinarius für Publizistikwissenschaft.

 

Fachgeschichte

Neuorientierung der Fachdisziplin

In den 1970er-Jahren orientiert sich die deutschsprachige Kommunikationswissenschaft um. War sie bisher eine vornehmlich historisch-juristisch und eher auf die Praxis ausgerichtete Zeitungskunde, so akzentuiert sie sich nun stärker sozialwissenschaftlich – auch unter dem Eindruck der florierenden Disziplin in den angelsächsischen Ländern. Empirisch-analytische Methoden werden zu einem wesentlichen Bestandteil des Fachs.

Die Wirkungsforschung entwickelt in diesen Jahren einige bis heute zentrale Ansätze: Den Uses-and-Gratifications-Ansatz, die Agenda-Setting-Theorie oder jene der Schweigespirale. Neue Impulse vermitteln auch die Innovationsforschung, medienökonomische Ansätze und die Herausbildung der Cultural Studies, wodurch die Untersuchung von Weltbildern und deren Interpretation durch die Rezipienten in (populären) Medientexten zum Thema werden.

Auch die SRG ist bestrebt, systematisch Publikumsforschung zu betreiben und richtet 1974 ihren Forschungsdienst ein.

 

Mediengeschichte

Privatradios in der Schweiz

Roger Schawinski hat es geschafft: Mit Inkrafttreten der Lokalradio-Versuchordnung 1983 darf er legal von der Schweiz aus senden. Die Versuchsordnung nimmt damit das Drei-Ebenen-Modell vorweg, das im definitiven Rundfunkgesetz von 1992 umgesetzt ist: Privater Rundfunk ist auf lokaler Ebene zugelassen, die sprachregionale und nationale Ebene ist dem öffentlichen Rundfunk der SRG vorbehalten. Auf der internationalen Ebene wiederum dürfen private Veranstalter tätig werden.



Der Computer erobert den Massenmarkt

Die Computertechnologie hält zu Beginn des Jahrzehnts Einzug in die Privathaushalte. Bei Commodore, Amiga, Atari und Apple gibt es bereits Sound und Grafik. Vergleichsweise rudimentär und in der Grafik puritanisch ist der erste Heimcomputer von IBM ausgestattet. Dennoch geht die Diffusion der Heimcomputer in den Privathaushalten und Verbesserung ihrer Leistungskapazitäten langsam aber stetig voran. Damit wird schliesslich der Grundstein für eine zunehmend technische Konvergenz von Bild, Ton und Computeranwendungen gelegt, was in den 1990er-Jahren schliesslich zu Multimediaanwendungen und einer zunehmenden Durchdringung des Computers in der Alltagswelt führt.

 

Weltgeschichte

Perestroijka und Mauerfall

Die 1980er-Jahre sind gekennzeichnet von einer Entspannung zwischen den beiden Blöcken des Kalten Krieges. Der Präsident der UdSSR, Michael Gorbatschow, setzt auf Entspannung mit dem Westen und führt in seinem Land behutsame politische und wirtschaftliche Reformen durch. Zunehmende Massenproteste und erleichterte Ausreisebedingungen in einigen Staaten des „Ostblocks“ führen schliesslich zum Zusammenbruch der sozialistischen Regime. Die Feiern zum 40. Jahrestag der DDR 1989 muten deshalb anachronistisch an. Tatsächlich muss noch im selben Jahr der SED-Generalsekretär Erich Honecker zurücktreten. Im November schliesslich passieren die ersten Bürger Ostdeutschlands die Grenze nach Westdeutschland. Die Mauer, Symbol des Kalten Kriegs, fällt.

 

Fichenaffäre

Die Fichenaffäre erschüttert die Schweiz: Wegen angeblich undurchsichtiger Geschäfte ihres Ehemanns muss die erste Bundesrätin – Elisabeth Kopp – 1989 zurücktreten. Im Gefolge dieses Skandals kommt zu Tage, dass Personen, die im Verdacht stehen, die Ordnung und Sicherheit des Landes zu gefährden, behördlich beschattet und mit „Fichen“ registriert werden. Ebenfalls öffentlich werden die Geheimarmee P26 und der geheime Nachrichtendienst P27, die insbesondere im Falle eines Angriffs der Sowjetunion den Widerstand in der Bevölkerung organisieren sollten und der parlamentarischen Kontrolle entzogen waren. Auch in den meisten anderen west-europäischen Ländern werden am Ende des Kalten Krieges ähnliche Organisationen entdeckt.