Kolumne der Gastprofessorin im HS14, Kati Förster

Vom Wert einer Kultur der Wissen-schaffenden
„Was die österreichisch-schweizerischen Beziehungen betrifft, stehen sie nun einmal unter einem besonderen Stern der Gegenseitigkeit. Friedrich Dürrenmatt hat Österreich als die grösste schweizerische Auslandskolonie bezeichnet, da die Habsburger bekanntlich aus dem Kanton Aargau stammen. Im Unterschied dazu pflegt H.C. Artmann von der Schweiz als einer „abgefallenen Provinz Österreichs“ zu sprechen.“ (Im Herz und in der Mitte von Hugo Loetscher, in: Der Waschküchenschlüssel, S. 30)
Mein Vorgänger, Helmut Scherer, hat über das Reisen in der Wissenschaft geschrieben. Wir alle sind das Reisen und Umherziehen wohl inzwischen gewohnt und auch mein Lebenslauf ist mit vielen Stationen im In- und Ausland gefüllt. Meine Zeit hier in Zürich, am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung, war allerdings etwas ganz besonderes. Sie hinterlässt mich mit ganz besonderen Eindrücken, die mit der herzlichen Einladung und den reibungslosen Prozessen im Vorfeld erst ihren Anfang nahmen.
Wir in der Medienökonomie beschreiben ein Gut ja gern nach seinen Such-, Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften. Die Sucheigenschaften des Instituts, also jene, über die ich schon im Vorfeld wusste, sind neben all den beeindruckenden Namen und den dazugehörigen Veröffentlichungen vor allem auch die schiere Grösse des Instituts mit all seinen MitarbeiterInnen. Sie haben das Institut zu einem der führenden Leuchttürme in der Kommunikationswissenschaft gemacht. Aber was dies im konkreten Erleben bedeutet, erfährt nur, wer wie ich das Glück hatte, am alltäglichen Miteinander Teil zu haben, wenn auch nur für eine Weile. Der Versuch diese Aspekte, diese Erfahrungseigenschaften ins Wort zu bringen, fällt leicht, findet man hier doch eine Institutskultur vor, die sich durch gegenseitigen Respekt, ein ehrliches Interesse am Gegenüber, eine offene Diskussionskultur und ein sicht- und spürbares Verantwortungsbewusstsein auszeichnet. Diese Werte durchdringen jede Ebene – von höflichen und überaus begeisterungsfähigen Studierenden über eine offene und wertschätzende Teamkultur bis hin zu einer Administration, die es schafft jegliche bürokratische Hürden beiseite zu schaffen und reibungslose Abläufe zu gewährleisten. Was bleibt von diesen Erfahrungen? Was sind die Vertrauenseigenschaften des Instituts hier in Zürich, also jene die nur schwer greifbar sind und noch weniger erfahrbar? Heute vermag ich zu sagen, dass ich ein Stück Zürich mitnehmen werde, nicht nur in gemeinsamen Veröffentlichungen, die in dieser Zeit auf den Weg gebracht wurden. Nein, das wichtigste, das ich aus dieser Gastprofessur mitnehme, ist die Erfahrung Teil einer ganz besonderen Kultur zu sein; eine Kultur, die das Wissen und ihre Akteure – also die „Wissen-schaffenden“ in den Mittelpunkt rückt. Dies scheint mir allzu oft und allzu schnell in den aktuellen Bewegungen hin zu mehr Effizienz und Kosteneinsparungen in der Wissenschaft verloren zu gehen.
Obgleich Hugo Loetscher in seinem „Schlüsselwerk zum Verständnis der helvetischen Seele und ihrer Eigenarten“ die Konkurrenz des Alltäglichen zwischen der Schweiz und Österreich so wunderbar karikiert, das Oszillieren zwischen den zwei Städten mit der weltweit höchsten Lebensqualität stellt sich als purer Luxus dar. Zweifellos, Zürich hat mit mir eine neue Verehrerin – zwischen dem Sommerausklang mit Grillen am See und dem „Singing Christmas tree“ liegen Wochen des Staunens und Geniessens einer Stadt, die ich als freundlich und zurückhaltend erlebt habe.
Aber ob Limmat oder Donau, Grossmünster oder Stephansdom, Tafelspitz oder Käsefondue, Kärntner Strasse oder Niederdörfli – am Ende des Tages zählen die Begegnungen. Ich fühle mich durch diese Zeit, diese Teilhabe im Institutsalltag in Zürich beschenkt und möchte Danke sagen für die Einladung, für ein äusserst herzliches Willkommen, für die Unterstützung und für all die Erfahrungen, die ich machen durfte. Danke vor allem für die konstruktiven und gleichzeitig entspannten Diskussionen, für sehr viel Spass beim „Schrott-Wichteln“ (ich möchte es nie mehr anders machen), für die Verlässlichkeit und Verbindlichkeit, die in dieser Form einzigartig ist. Und in guter alter Wien-Tradition schliesse ich mit den Worten von Kaiser Franz Josef: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“