Kolloquium zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Otfried Jarren

Wie ist soziale Ordnung durch Kommunikation möglich? Dies ist die zentrale Frage, mit der sich Prof. Dr. Otfried Jarren, Rektor ad interim der Universität Zürich, als Forscher, Dozent, Organisator und Netzwerker der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft auseinandergesetzt hat. Zu seinem 60. Geburtstag fand am Freitag, 8. November 2013, an der Universität Zürich eine wissenschaftliche Tagung statt, an der Otfried Jarrens Wegbegleiter diese Frage aus ihrer jeweiligen Forschungsperspektive reflektierten und seine Verdienste für die Wissenschaft würdigten.

Die Tagung wurde mit den Grussworten von Prof. Werner Wirth, dem Direktor des IPMZ, eröffnet. Darauf folgte ein packendes Inputreferat von Prof. Gerhard Vowe von der Universität Düsseldorf, in dem er sich detailliert mit Otfried Jarrens Überlegungen zur öffentlichen Kommunikation als Ressource zur Herstellung von sozialer Ordnung auseinandersetze. Vowe ging dabei nicht nur auf die theoretischen Wurzeln von Jarrens Überlegungen ein, sondern brachte auch dessen Antwort auf den Punkt: Soziale Ordnung entsteht durch öffentliche Kommunikation – und deshalb braucht diese öffentliche Kommunikation eine Ordnung, die durch die Medien, durch die Medienpolitik und schliesslich durch die Orientierung der Medienpolitik an publizistischen Zielen hergestellt wird.

In einem ersten Panel unter dem Titel «Soziale Ordnung und Kommunikationsstrukturen» referierten nun Dr. Josef Seethaler und Dr. Gabriele Melischek von der Österreichische Akademie der Wissenschaften Wien sowie Prof. Wolfgang Schulz vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung Hamburg. Seethaler und Melischek gaben anhand empirischer Daten Einblick in den Wandel der österreichischen Medien- und Kommunikationsstrukturen. Schulz widmete sich u.a. der interessanten Frage, inwiefern Otfried Jarrens konzeptionellen Überlegungen auch Medienrechtlichterinnen und -rechtler beeinflussen bzw. inspirieren.

Im zweiten Panel zur Frage, wie soziale Ordnung in und durch Organisationen hergestellt werden kann, führten drei Referierende ihre Überlegungen aus: Prof. em. Margit Osterloh von der Universität Zürich und der Zeppelin Universität forderte in ihrem Referat zur Kontrolle in Universitäten, rein output-orientierte Hochschul-Rankings durch eine Input-Kontrolle durch die Gelehrtenrepublik zu ersetzen. Prof. Uwe Schimank von der Universität Bremen zeigte auf, inwiefern sich in allen gesellschaftlichen Systemen die Unterhaltungsorientierung als Handlungslogik durchsetzt. Dr. Hans-Jürgen Arlt, Lehrbeauftragter der Berliner Universität der Künste, setzte sich mit dem Begriff der Arbeit auseinander.

Im dritten Panel beschäftigen sich Prof. Heinz Bonfadelli von der Universität Zürich, Prof. Hans Mathias Kepplinger von der Universität Mainz und Prof. Ulrich Sarcinelli von der Universität Koblenz-Landau mit Fragen zur Vermittlung von sozialer Ordnung durch Kommunikation. Bonfadelli widmete sich aus der Wirkungsperspektive der Frage, inwiefern Medien soziale Ordnung stützen, bereichern oder aber fragmentieren. Kepplinger sprach zur Mediatisierung sozialer Ordnung. Sarcinelli schliesslich befasste sich mit dem Themenkomplex «Kommunikation als ‚Legitimationsressource‘» und bezog sich damit auf Otfried Jarrens Überlegungen und Beitrag zur politischen Kommunikationsforschung.

Zum Auftakt des letzten Teils der Tagung, der in der Aula stattfand, überbrachte Prof. Andrea Schenker-Wicki, Prorektorin der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, die Grussworte der Universität Zürich. Im Anschluss daran diskutierten Dr. Martina Vogel, Dr. Adrian Steiner und Dr. Thorsten Grote, welche im Doktorat bei Otfried Jarren erworbenen Kompetenzen sie in ihrer jetzigen beruflichen Tätigkeit in der Kommunikations- bzw. Politikberatung nutzen können.

In einer Replik ging der Jubilar selber am Ende des wissenschaftlichen Kolloquiums auf die gehaltenen Referate ein und ergänzte sie mit eigenen Überlegungen dazu, wie soziale Ordnung durch Kommunikation hergestellt werden kann.

Der Anlass wurde von Otfried Jarrens ehemaligen Mitarbeitenden Prof. Klaus-Dieter Altmeppen, Prof. Patrick Donges, Prof. Matthias Künzler, Prof. Manuel Puppis, Prof. Ulrike Röttger und Prof. Hartmut Wessler organisiert.

Bilder zum Anlass:

Prof. Gerhard Vowe nennt in seinem packenden Referat die drei Ebenen, durch welche die Ordnung der öffentliche Kommunikation gemäss Otfried Jarren hergestellt wird: Medien, Medienpolitik und publizistische Zielen.

Prof. Jarren (Mitte) anlässlich des wissenschaftlichen Kolloquiums zu seinem 60. Geburtstag.

Dr. Thorsten Grote, Dr. Martina Vogel (v. l.) und Dr. Adrian Steiner (r.) diskutieren unter der Leitung von Prof. Patrick Donges über die Kompetenzen, die sie während dem Doktorat bei Otfried Jarren erworben haben.

Prof. Jarren geht in seiner Replik auf die gehaltenen Referate ein und ergänzt sie mit eigenen Überlegungen.


Text: Christian Wassmer, Corinne Schweizer, Ursula Schwarb

Bilder: Corinne Schweizer