110 Jahre Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Zürich

Wer hätte geglaubt, dass das Fach Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Zürich (UZH) bereits 110 Jahre alt ist? Im Folgenden werden die wichtigsten Etappen und Persönlichkeiten, die das Fach und das heutige IPMZ geprägt haben, kurz vorgestellt. So wird der Wandel vom vormals kleinen Nebenfach zur «Presseforschung» zu einem der grösse-ren Hauptfächer der sozial- und geisteswissenschaftlichen Fakultät der UZH nachvollziehbar.

Weitere Angaben zur Geschichte des Instituts und des Fachs sowie zur jeweiligen zeit- und mediengeschichtlichen Einbettung finden Sie auf dieser Website unter
http://www.ipmz.uzh.ch/institut/MedienOeffentlichkeit/Archiv/Geschichte.html

Die Geschichte des IPMZ in Kürze

Im Jahre 1900 wendet sich der Schweizerische Presseverein mit der Anregung an die Hochschulen, «die Journalistik dem Universitätsstudium als Lehrfach einzugliedern». Er stützt sich dabei auf das Vorbild der Universität Heidelberg, die im Jahre 1895 eine Professur für journalistische Fächer eingerichtet hat.

1903 ist es dann soweit: Oskar Wettstein, ehemaliger Chefredaktor der «Zürcher Post» und habilitiert mit dem Thema «Geschichte, Recht und Technik der Presse», hält am 31. Oktober 1903 seine Antrittsvorlesung. Im WS 1903/04 belegen 32 Hörer die Vorlesung für Geschichte und 27 Hörer die Vorlesung für Technik der Tagespresse. 1910 wird die Zeitungskunde im Nebenfach Prüfungsfach.

1928 beginnt Karl Weber, der das Seminar während 25 Jahren prägen wird, mit seiner Lehrtätigkeit. Dies, nachdem er zum Thema «Die schweizerische Presse im Jahre 1848» habilitiert hat. Weil Oskar Wettstein Erziehungsdirektor des Kantons Zürich wird, übernimmt Karl Weber 1929 die Leitung des Seminars.

Ab 1954 steht Siegfried Frey dem Seminar vor. Die bisherige Tradition des Faches, Wissen bezüglich der Presse zu sammeln und eine detaillierte Beschreibung der historischen Entwicklung des Pressewesens zusammenzutragen, wird weiter verfolgt. Allerdings tun sich neue Forschungsfelder auf, denn 1953 startet das Schweizer Fernsehen und 1959 wird die Boulevardzeitung «Blick» ins Leben gerufen.

1969 wird Christian Padrutt Leiter des Journalistischen Seminars der Universität Zürich. Er baut das Seminar aus und modernisiert es. So wird das «Journalistische Seminar» 1973 in «Publizistisches Seminar» umbenannt, womit die strategischen Weichen in Richtung sozialwissen-schaftlich-empirischer Forschung gestellt werden. 1974 wird die «Schweizerische Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft» (SGKM) gegründet. Ihr erster Präsident ist Ulrich Saxer, der das Seminar nach dem unerwarteten Tod von Padrutt ab 1975 leitet.

1983 ändert das Seminar seinen Namen in «Seminar für Publizistikwissenschaft». In dieser Zeit wird die empirische Forschung noch stärker verankert: Heinz Bonfadelli – seit 1975 Assistent – etabliert bereits 1978 mit einem programmatischen Aufsatz die Wissenskluftforschung am Se-minar. Zudem werden Wirkungsstudien zum Leseverhalten bei Kindern und Jugendlichen oder zu Gratisanzeigern durchgeführt. Ebenfalls in diesen Zeitraum fallen die Studien zu den lokalen Rundfunkversuchen.

Ab 1992 ergänzt Christian Doelker als Extraordinarius für Medienpädagogik die Professorenschaft am Seminar. Doelker beschäftigt sich mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche in der damals vom Fernsehen geprägten Medienlandschaft in ihrem Aufwachsen begleitet werden können. 1994 wird Heinz Bonfadelli Extraordinarius für Publizistikwissenschaft.

1996 wird das Fach Publizistikwissenschaft Hauptfach. 184 Studierenden nehmen das Studium auf. Bereits ein Jahr später sind 350 Studierende im Hauptfach eingeschrieben und das Fach wird auch die folgenden Jahre weiter wachsen. Heute, also im Jahre 2013, werden 63 Lizentiats, 908 Bachelor- und 131 Master-Hauptfachstudierende gezählt.

1997 wird Otfried Jarren Nachfolger von Ulrich Saxer. Das Seminar für Publizistikwissenschaft wird ein weiteres und bislang letztes Mal umbenannt und heisst nun «IPMZ – Institut für Pub-lizistikwissenschaft und Medienforschung».

2000 wird Heinz Bonfadelli zum Ordinarius befördert. 2001 wird der Leiter des Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), Kurt Imhof, zum Ordinarius am IPMZ und am so-ziologischen Institut ernannt. Ebenfalls 2001 wird Gabriele Siegert als Ordinaria für Publizistikwissenschaft berufen.

2003 zieht das Institut, das am damaligen Standort an der Kurvenstrasse 17/31 mittlerweile aus allen Nähten platzt, in die Andreasstrasse 15 in Zürich-Oerlikon um. Im selben Jahr erweitert Werner Wirth das Lehr- und Forschungsprofil des Instituts. Frank Marcinkowski ergänzt das Team bis 2006 auf einer längerfristigen Gastprofessur.

2006 wird Frank Esser auf den Lehrstuhl «International vergleichende Medienforschung» berufen. 2008 übernimmt Michael Latzer die Professur für «Medienwandel & Innovation». 2009 gelingt es dem IPMZ über die Beteiligung am NCCR Democracy eine Assistenzprofessur für «Politische Kommunikation und politisches Verhalten» einzurichten, die für kurze Zeit von Jörg Matthes besetzt wird. Ebenfalls 2009 wird Daniel Süss zum Professor ad personam ernannt, mit dem Schwerpunkt «Mediensozialisation & Medienkompetenz».

2013 schliesslich wird mit Mike S. Schäfer die Professur für «Wissenschafts-, Krisen- und Risikokommunikation» besetzt, so dass das IPMZ heute aus acht, von Professorinnen und Professoren geleiteten Abteilungen, einer (unbesetzten) Assistenzprofessur und einer Professur ad personam sowie insgesamt rund 80 Mitarbeitenden besteht.

Seit 2000 ist das IPMZ-Team von den unterschiedlichsten Gastprofessoren und Gastprofessorinnen unterstützt worden, die in ihren jeweiligen Abschiedskolumnen einen humorvollen Ein-blick in das Leben am IPMZ geben.