Neue Publikation: Die Kommunikationsstrategien der Kontrahenten in der Fluglärmdebatte

Nach dem Modell der reziproken Effekte wirkt die Berichterstattung über Konflikte auf die Konfliktgegner zurück und beeinflusst ihr Kommunikationsverhalten und damit die Konfliktdynamik. Als hochinvolvierte Akteure nehmen die Konfliktgegner die Berichterstattung i.d.R. als feindlich verzerrt gegenüber dem eigenen Standpunkt wahr (Hostile Media Phenomenon). Nach der „Corrective-Actions“-Hypothese (Rojas 2010) mobilisiert diese Wahrnehmung zu Versuchen, die vermeintlich feindliche Berichterstattung durch kommunikatives Engagement auszugleichen. Diese Annahme wird am Beispiel der Konfliktgegner in der deutschen Fluglärmdebatte basierend auf einer Online-Befragung der Fluglärmgegner (n = 82; 47 %) und Befürworter des Luftverkehrs (n = 48; 33 %) geprüft. Für die Befürworter des Luftverkehrs bestätigt sich die Hypothese über die korrigierenden Handlungen: Sie engagieren sich vor allem dann kommunikativ, wenn sie sich mit einer feindlich gesinnten Berichterstattung und einem geringen Medieninteresse konfrontiert sehen. Für die Fluglärmgegner bestätigt sich die Hypothese nicht: Sie engagieren sich vor allem dann, wenn sie ein hohes Medieninteresse wahrnehmen.

S. Post (2015). Die Kommunikationsstrategien der Kontrahenten in der Fluglärmdebatte. Einflüsse der Wahrnehmung einer feindlichen Berichterstattung, der Medienwirksamkeit und der Meinungsklimata in Politik und Öffentlichkeit. Medien und Kommunikationswissenschaft 63(4), 517-534. Link